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Gemeinsame Agrarpolitik

Verbände positionieren sich zur Weidetierhaltung

Unter dem Dach des Deutschen Grünlandverbandes hat eine Arbeitsgruppe seit Herbst 2025 ein Positionspapier zu den Bedürfnissen der Weidetierhaltung bei der Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) erarbeitet. Dieses Basispapier (Stand Mitte März 2026) wurde mit den Unterschriften fast aller Schaf- und Ziegenzuchtverbände – u.a. Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände und Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter – sowie zahlreicher weiterer Verbände der Agrarministerkonferenz, die vom 18. bis 20. März 2026 in Bad Reichenhall stattfand, vorgelegt. Über dieses gemeinsame Positionspapier hinaus gibt es in jedem Bundesland Besonderheiten und Schwerpunkte, zu denen Regelungen verhandelt werden müssen. Die neue GAP wird die Schafhalter in den kommenden Monaten sehr beschäftigen, jetzt haben die Weidetierhalter mit diesem Positionspapier einen ersten Aufschlag gemacht.

von Red. Quelle Verbändeplattform Grünland erschienen am 24.03.2026
© rarrarorro/shutterstock.com
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Position der Verbändeplattform „Grünland“ zur Weidetierhaltung Weidetierhaltung ist multifunktional und braucht allumfassende Unterstützung

Unsere identitätsstiftenden Kulturlandschaften sind von Weidetieren geprägt worden und sind auch nur durch sie zu erhalten. Sie haben die Voraussetzungen für das Entstehen artenreicher Strukturen in unserer Heimat geschaffen. Weidetiere sind Gemeinwohl- und Ökosystemdienstleister, also ökosystemrelevant! Die extensiven Weidesysteme sind die effizientesten Instrumente für den landwirtschaftlichen Arten- und Biotopschutz. Die Weidetierhaltung steht aber seit Längerem vor großen existenziellen Problemen, die mehrere Ursachen haben, u.a. die Ausbreitung von Beutegreifern/Prädatoren.

Die wirksame Unterstützung der Weidetierhaltung ist wichtiger denn je geworden. Mit dem vorhandenen Tierbestand können bereits heute schon in vielen Grünlandgebieten die naturschutzfachlich wertvollsten Flächen nicht mehr anspruchsgerecht gepflegt werden. Die Weidetierhaltung sollte deshalb als eine der Nationalen Prioritäten gesetzt werden. Ein weiterer Rückgang der Weidetierbestände jeglicher Form führt zu noch größerem Artensterben bei Flora und Fauna.

Grundsätzlicher Bedarf zur Unterstützung der Weidetierhaltung:
  • 1. Deutschland braucht eine Nationale Weidestrategie, keine Ressortstrategie. Ein Dissens von Naturschutzerwartungen und umsetzbarer Weidewirtschaft ist mit allen Mitteln zu verhindern.
  • 2. Im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) sollte eine zuständige Person für Weidetierhaltung implementiert werden. Deren gemeinsame Aufgabe muss es sein, bei der Gestaltung und Umsetzung der GAP 2028 die Sicherung von Agrarumwelt- und Klimaaktionen (AUKA) und der Ausgleichszulage für Benachteiligte Gebiete sowie die entsprechende Anpassung der Höhe der Tierprämien zu gewährleisten.
  • 3. Vollumfängliche Anerkennung, d.h., ein klares gesellschaftliches und politisches Bekenntnis zur Haltung von ausreichend Weidetieren, vor allem Schafen, Ziegen und Rindern. Allen Medien kommt eine besondere Bedeutung bei der Vermittlung der Notwendigkeit der Weidetierhaltung und ihrer erforderlichen Unterstützung zu.
  • 4. Aufwandsgerechte Förderung der Weidetierhaltung setzt ein festes Budget für AUKA sowie der Ausgleichszulage für Benachteiligte Gebiete voraus, welches zurzeit im Entwurf der GAP 2028 noch fehlt.
  • 5. Gekoppelte Tierprämien für Schafe, Ziegen und Rinder müssen den Rahmenbedingungen in der GAP 2028 entsprechend nach oben angepasst werden, um den dramatisch fortschreitenden Bestandsrückgang an Weidetieren aufzuhalten.
  • 6. Erforderlich sind mehrjährige, mit Handlungsspielraum ausgestattete AUKA für alle landwirtschaftlichen Weidetiere sowie alle Weidenutzungsformen, besonders für Schafe, Ziegen und Rinder, um mehr Tiere für eine naturschutzintegrierte Weidetierhaltung in die Landschaft zu bringen. Die Zahlungen für AUKA müssen aufwandsgerecht und mit einer WTO-konformen Anreizkomponente ausgestattet sein, um zu einem wirtschaftlich tragfähigen Betriebseinkommen beizutragen.
  • 7. Die Weidetierhaltung fehlt noch im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) und sollte in die Umsetzung der Natur-Wiederherstellungs-VO eingebunden werden. In der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) muss die Sommer-Weidehaltung für Milchkühe mit Nachzucht förderfähig bleiben. Eine Förderung von nicht-produktiven Investitionen sowie die investiven Maßnahmen Entbuschung, Weideequipment oder -konzepte sollten bestehen bleiben.
  • 8. Eine umfassende Vereinfachung der Förderbürokratie ist notwendig, um eine schnelle Einordnung und verlässliche Orientierung möglich zu machen.
  • 9. Die Ausbildungsordnung für den Beruf des Land- und Tierwirts aller Ausbildungsrichtungen ist dringend – auch im Hinblick auf qualifizierte Lehrinhalte bezüglich Weidetierhaltung – zu überarbeiten. Ausbildungskapazitäten in den Fachschulen müssen gewährleistet werden, mit dem Ziel, spezifische Sachkunde (Wissen und Können) für alle Land- und Tierwirte wie auch für Offizialberatung zu vermitteln.
  • 10. Dem akuten Mangel an Nachwuchskräften kann nur mit wirtschaftlicher Attraktivität der Weidetierhaltung begegnet werden.

Ohne genügend Nachwuchskräfte und ohne stabile Finanzierung der nicht am Markt handelbaren, vielfältigen und naturhaushaltsbezogenen Leistungen hat die multifunktionale Weidetierhaltung keine ausreichende Planungssicherheit und damit keine Chance für die Umsetzung des nur durch sie möglichen nachhaltigen Natur- und Umweltschutzes!

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