
Ziegenhaltung zwischen Praxis und Zukunft
Am 7. Februar 2026 fand der 18. Hessische Ziegentag in der Tierklinik für Reproduktionsmedizin und Neugeborenenkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Tiergesundheit.
von Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen / Red. erschienen am 11.02.2026Rund 70 Ziegenhalter, Züchter sowie weitere Interessierte nahmen an der Traditionsveranstaltung teil, die vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), Fachgebiet Tierzucht, gemeinsam mit der JLU-Tierklinik und dem Hessischen Ziegenzuchtverband organisiert wird. Unter dem Schwerpunkt Tiergesundheit wurden zentrale Themen wie Parasitenmanagement, moderne Ernährungskonzepte und Betriebsstrukturen diskutiert.
Bedeutung der Ziegenhaltung in Hessen
Die Ziegenhaltung ist in Hessen essenziell für Landschaftspflege, Biodiversität und regionale Produkte. Mit circa 3.600 Haltungen und knapp 21.000 Ziegen (Stand: 2025, Hessische Tierseuchenkasse), oft im Nebenerwerb gehalten, sichert sie extensive Beweidung und trägt zur Milch- sowie Fleischproduktion bei. Halter stehen jedoch vor wirtschaftlichen, tiergesundheitlichen und durch Beutegreifer verursachten Herausforderungen.
Daniel Köfer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU), würdigte das Engagement der Ziegenhaltenden: „Hessen verfügt über einen lebendigen Ziegenzuchtverband und eine engagierte Züchterschaft, deren Tiere aller Rassen über die Landesgrenzen hinweg geschätzt werden. Viele Züchterinnen und Züchter betreiben ihre Ziegenhaltung im Nebenerwerb oder als Hobby. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Tierhaltung in unserem Land. Ihr Engagement für den Erhalt der biologischen Vielfalt und unserer Kulturlandschaften ist ein wertvoller Beitrag für Hessen.“

Aktuelle Themen: Parasitenbefall und Fütterung
Parasitenbefall zählt weiterhin zu den größten Herausforderungen in der Ziegenhaltung, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen gegenüber Entwurmungsmitteln. In einem Fachvortrag beleuchtete Tierärztin Dr. Ulrike Peschel das Parasitenmanagement bei Weideziegen und stellte die Plattform www.weide-parasiten.de vor. Diese bietet Haltern Tools zur Risikobewertung und integrierten Bekämpfung.
Optimale Fütterung stärkt das Immunsystem und steigert die Leistungsfähigkeit der Tiere. Dr. Markus Kräling (Josera) stellte hierzu praxisnahe Ernährungskonzepte vor – mit einem Fokus auf die bedarfsgerechte Optimierung der Mineralstoff- und Spurenelementeversorgung für alle Leistungsstadien der Ziegen.
Forschung zur Zucht parasitenresistenter Ziegen
Dr. Henrik Wagner (JLU) präsentierte zudem den Abschlussbericht zum „Projekt zur Förderung der hessischen Schaf- und Ziegenzucht durch Implementierung von Tiergesundheitsaspekten zur Steigerung von Tierwohl und Wirtschaftlichkeit (FöSchaZZu-Hessen)“. Dabei wurden Daten generiert, um eine mögliche Zucht auf geringere Empfänglichkeit für Parasiten zu etablieren. Ebenso wurde erstmalig für die Ziege die Rückenfett- und -muskeldickenmessung umgesetzt. Das Projekt wurde erfolgreich in Zusammenarbeit zwischen der JLU, dem Hessischen Ziegenzuchtverband, dem Hessischen Verband für Schafzucht und -haltung sowie dem HMLU durchgeführt.
Herdenschutz und Umgang mit dem Wolf
Neben den fachlichen und züchterischen Ansätzen wurde auf dem Ziegentag auch die Bedeutung des Herdenschutzes für eine zukunftsfähige Ziegenhaltung thematisiert. Zur Zukunftssicherung hob Staatssekretär Köfer die Wolfsthematik hervor: „Wir sind daher besonders froh, dass die Trendwende Wolf nun auch auf Bundesebene erfolgt und künftig ein aktives Bestandsmanagement und eine konsequente Entnahme von Problemwölfen möglich sein wird. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Zukunftssicherung der Ziegenhaltung im Offenland und damit zum Erhalt unseres hessischen Landschaftsraums.“










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