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GAP ab 2028: Was kommt auf uns zu?

„Träumen hat keine Zukunft“, sagt Uwe Erl, Zuchtleiter in Thüringen. Gedanken zur Einkommenssituation der Schafhalter und zu den Entwürfen der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028.

von Uwe Erl (Zuchtleiter Thüringen) erschienen am 07.04.2026
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Die bisher bekannten Vorschläge zur GAP 2028 bringen massive Einschnitte.

Im Wirtschaftsjahr 2023/24 hat sich die Einkommenssituation für die Schafhalter verbessert. Jeder, der seinen Jahresabschluss 2023/24 ausgewertet hat, oder den Artikel von Karsten Siersleben in der Schafzucht 5/2026 (Seite 42) gelesen hat, wird dem zustimmen.

Betrachtet man die Buchführungsergebnisse spezialisierter Schafbetriebe in ausgewählten Bundesländern über die Wirtschaftsjahre 2014/15 bis 2023/24 hinweg, so sieht man, dass sich das Betriebsergebnis in den Jahren 2014/15 bis 2022/23 nur unwesentlich geändert hat. Im Vergleich dazu hat es sich vom Wirtschaftsjahr 2022/23 bis zum Wirtschaftsjahr 2023/24 verdoppelt!

Die Betriebsergebnisse in den Jahren 2014/15 bis 2022/23 im Vergleich zu den neuesten Ergebnissen aus 2023/24 zeigen eines deutlich: Ohne entsprechende Förderung der Schafhaltung ändert sich an der Einkommenssituation der Betriebe nichts. Sollten die Rückgänge an Förderung, Kappung, Degression so kommen, wie sie im Moment diskutiert werden, bedarf es einer deutlichen Erhöhung der gekoppelten Prämie.

Diese Erhöhung fordern wir nicht, weil wir einfach so mehr Geld wollen. Wir wollen gerechtfertigterweise ein auskömmliches Betriebsergebnis. Wir können keinen Stundenlohn von 6 Euro für Schafhalter, wie er in der Studie zur „Analyse des Marktes für Schafschurwolle aus Deutschland – Stand, Potenziale, Hemmnisse und Handlungsempfehlungen“ ermittelt wurde, billigend in Kauf nehmen (Studie: https://www.fnr.de/fileadmin/projektdatenbank/2221NR074X.pdf). Viele von uns haben vor der derzeitigen GAP-Periode in der Tat für solch einen Stundenlohn gearbeitet. Das wollen wir nicht wieder.

In den Landesverbänden, Vertretungen des Berufsstandes, aber auch mit Umweltverbänden wurde viel diskutiert. Erschreckend ist, dass einige noch zu träumen und den Ernst der Lage zu verkennen scheinen. Immer wieder hört man Sätze wie: „Eine gekoppelte Prämie in der jetzigen Höhe ist doch auch nach 2028 noch ausreichend“ oder „Zahlungen für Agrarumwelt- und Klimaaktionen soll es doch nach 2028 auch noch geben“.

Aber: Diese Zahlungen sollen nicht mehr zu 100 % von der EU finanziert werden. Wie hoch, oder besser gesagt, wie niedrig, sollen bzw. werden denn die Zahlungen ausfallen, wenn sie zu mindestens 30 % durch die Staaten kofinanziert werden müssen? Wer weiterhin unbedarft eine gekoppelte Prämie auf dem jetzigen Niveau auch für die Zukunft fordert, sollte den Artikel „Fünf Jahre Zeit zum Luftholen, aber keine Zeit zum Ausruhen!“ von Karsten Siersleben in der Schafzucht-Ausgabe 5/2026 noch einmal gründlich durchlesen.

Die jährlichen Kostensteigerungen pro Mutterschaf liegen bei ca. 18 Euro im Jahr. Wer heute erklärt, dass das alte Förderniveau auch in Zukunft ausreichend ist, sollte Zettel und Stift zur Hand nehmen und ehrlich nachrechnen.

Wir brauchen Einigkeit im Berufsbestand und klare Forderungen an die Politik.

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