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Reportage

Huttwil – ein Ort für Wollfreunde

Es ist besonderer Ort für Wollfreunde und für Jakobschafzüchter: der Betrieb des Spycher-Handwerks in Huttwil im Schweizer Kanton Bern. Vom kleinen Wollverarbeiter hat sich dieser Betrieb zum führenden Wollunternehmen in der Schweiz entwickelt.

von Jürgen Lückhoff (19089 Bülow) erschienen am 06.01.2026
Herdbuchaufnahme des Jakobnachwuchses. Züchter Hansueli Grädel: „Wir halten Jakobschafe, weil sie bereits in der Bibel erwähnt werden, eine robuste und pflegeleichte Rasse mit guter Wolle sind und als Vierhornschafe interessant für den Schaubetrieb sind.“ © Jürgen Lückhoff
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Zwölfmal waren wir inzwischen auf dem Betrieb des Spycher-Handwerks in Huttwil im Schweizer Kanton Bern. Immer, wenn die Jakobschafzüchter der Schweiz dort ihre jährliche Aufnahme ins Herdbuch hatten. Der Ort bietet sich wegen seiner relativ zentralen Lage und der großen Veranstaltungshalle an. Aber auch, weil im Betrieb unter anderem Jakobschafe gezüchtet werden und Hansuli Grädel Präsident des Schafzuchtvereins Jakobschaf Schweiz ist (www.jakobschaf-schweiz.ch).

Außerdem werden auf dem Arche-Hof Walliser Landschafe, Engadiner Schafe, Spiegelschafe, Gotland-Schafe, Ungarische Zackelschafe, Skudden und Merinos neben Kaschmir-, Mohair- und Zwergziegen gehalten. Hinzu kommen Alpakas, Lamas und Kamele sowie Wollschweine, Pommernenten und Schweizer Hühner.

Die Aufzählung der Schaf- und Ziegenrassen lässt neben den Tieren der Kamelfamilie schnell erkennen, dass hier sehr viel Wert auf Wolle gelegt wird. Die große Nachfrage nach kardierter Wolle führte dazu, dass der Senior, Johann Ulrich Grädel (oder eben Hansuli) den Bauernhof am Rande von Huttwil in den 1970er Jahren in eine Schaffarm mit Wollverarbeitung umwandelte und die Firma Spycher-Handwerk gründete. Noch heute sind in der Wollkämmerei zwei große Kardiermaschinen aus Chemnitz im Einsatz, die beide schon etliche Jahrzehnte „auf den Walzen“ haben.

Eine der alten Kadiermaschinen, die hauptsächlich für Schauvorführungen genutzt werden.
Eine der alten Kadiermaschinen, die hauptsächlich für Schauvorführungen genutzt werden. © Jürgen Lückhoff

Besucher haben im Rahmen einer Führung die Möglichkeit, diese Maschinen im Einsatz zu sehen und zahlreiche verschiedene Rohwollen zu vergleichen. Natürlich kann man auch vor Ort seine eigene Wolle waschen und kardieren lassen. Größere Mengen werden zum Waschen in ein Unternehmen nach Belgien gebracht. Zur weiteren Verarbeitung bietet die Schaukarderei des Spycher-Handwerks neben Kardiermaschinen eine Vielzahl von Spinnrädern, aber auch Webrahmen und komplette Webstühle an. Außerdem gibt es Färbe-, Spinn-, Web-, Filz- und Strickkurse für diejenigen, die Wolle gerne selbst verarbeiten wollen.

Wollflocken von verschiedenen Tieren und verschiedenen Rassen zeigen den Besuchern die Vielfältigkeit der Wollen.
Wollflocken von verschiedenen Tieren und verschiedenen Rassen zeigen den Besuchern die Vielfältigkeit der Wollen. © Jürgen Lückhoff

In dem wunderbaren Hofladen von Familie Grädel gibt es ein breites Angebot von kardierter Wolle zum Selberspinnen sowie strickfertige Wolle. Beeindruckend ist das Angebot an Schurwoll-Bettwaren von Schweizer Schafen, aber auch von Kamelen. Die umfangreich angebotene Kleidung aus Schurwolle verführt jeden Besucher zum Anprobieren, und unser Portemonnaie ist beim Verlassen des Ladens oft leichter als beim Betreten. Das Sortiment im Laden wird durch viele weitere Produkte ebenso wie eine große Auswahl an Fachbüchern rund um die Schafwolle und Natur ergänzt.

Das Wollparadies: Beeindruckende Wollauswahl im Hofladen des Spycher-Handwerks.
Das Wollparadies: Beeindruckende Wollauswahl im Hofladen des Spycher-Handwerks. © Jürgen Lückhoff

Das Spycher-Handwerk ist nicht nur für Tagestouristen interessant, die z.B. einmal am geführten Kameltrekking teilnehmen wollen oder den Seminarraum und das Bistro nutzen wollen. Auch besondere Übernachtungsmöglichkeiten warten auf die Gäste: beispielsweise in einer original mongolischen Jurte.

Hansueli und seine Frau Annekäthi haben inzwischen die Führung des Betriebes an die nächste Generation abgegeben. Immerhin arbeiten neben den Eltern noch alle vier Kinder im Betrieb mit. Die Geschwister führen die Arbeit der Eltern mit Freude weiter.

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