
Weidefläche bis 2100 halbiert?
Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt: Weideflächen werden sich durch steigende globale Temperaturen erheblich verkleinern. Je nach betrachtetem Emissionsszenario verlieren bis zum Jahr 2100 circa 36 bis 50 % der heute klimatisch geeigneten Weideflächen ihre Nutzbarkeit.
von Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung / Red. erschienen am 19.02.2026Weideflächen bedecken heute rund ein Drittel der Erdoberfläche und stellen das weltweit größte landwirtschaftliche Produktionssystem dar. Die Verringerung der Nutzbarkeit um 36 bis 50 % betrifft mehr als 100 Mio. Menschen, die von der Weidewirtschaft leben, sowie bis zu 1,6 Mrd. Weidetiere.
Erstmals „klimatisch günstiger Bereich“ festgelegt
Die am 9. Februar 2026 in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie beschreibt erstmals einen „klimatisch günstigen Bereich“ für die Weidehaltung von Rindern, Schafen und Ziegen. Weidesysteme können sich unter bestimmten klimatischen Bedingungen gut entwickeln: bei Temperaturen zwischen -3 und 29° C, jährlichen Niederschlägen von 50 bis 2627 mm, einer Luftfeuchtigkeit von 39 bis 67 % sowie Windgeschwindigkeiten zwischen 1 und 6 m/s.
Der Klimawandel verschiebt diese klimatisch günstigen Bereiche weltweit und lässt sie deutlich schrumpfen, mit immer weniger Platz für Weidetiere. Chaohui Li, Erstautorin der Studie
Li, die am PIK geforscht hat, als die Studie durchgeführt wurde, und nun beim Barcelona Supercomputing Center arbeitet, weiter: „Besonders sind diese Veränderungen in Ländern zu spüren, wo die Menschen bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden.“
Afrika besonders stark betroffen
Besonders betroffen ist dem Forschungsteam zufolge Afrika. Je nach Emissionspfad könnten die geeigneten Graslandflächen dort um 16 % (bei niedrigen Emissionen) oder sogar um bis zu 65 % schrumpfen, wenn der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter steigt. Bereits heute liegen die Temperaturen in vielen Regionen des Kontinents am oberen Rand dessen, was für Weidehaltung noch klimatisch verträglich ist.
Mit zunehmender Erwärmung verschieben sich die Klimazonen, in denen sich wichtige Weideregionen wie das äthiopische Hochland, das Ostafrikanische Rift, das Kalahari-Becken oder das Kongobecken befinden, weiter nach Süden. Da die afrikanische Landmasse am Südlichen Ozean endet, würden sich die für Weidewirtschaft geeigneten Temperaturbereiche langfristig über den Kontinent hinaus verlagern – mit dem Ergebnis, dass nutzbare Weideregionen verloren gehen.
Gängige Anpassungsstrategien nicht ausreichend?
„Diese Verschiebung weg von dem, was wir als klimatisch günstigen Bereich identifizieren, stellt gängige Anpassungsstrategien massiv infrage“, sagt Prajal Pradhan, Assistenzprofessor an der Universität Groningen, PIK-Forscher und Ko-Autor der Studie. „Ansätze wie die Haltung anderer Tierarten oder die saisonale Wanderung von Herden reichen angesichts der Größenordnung der Veränderungen nicht mehr aus.“
Li, C., Kotz, M., Pradhan P., Wu, X., Hu, Y., Li, Z., Chen, G., (2026): Climate change drives decline in global grazing systems. PNAS. DOI: 10.1073/pnas.2534015123.









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