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Leserforum

Perspektiven für die Schafhaltung

Gemeinsam mit dem VDL-Arbeitskreis Wirtschaftlichkeit hat Prof. Stanislaus von Korn zur letzten GAP-Reform (2021) eine Analyse der Wirtschaftlichkeit erarbeitet. Seine Einschätzung zur aktuellen Situation für die kommende GAP-Reform ab 2028.

von Prof. Dr. Stanislaus von Korn (Institut für Angewandte Agrarforschung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen) erschienen am 05.05.2026
Die Verhandlungen zur nächsten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 laufen. Jetzt ist es an der Zeit, sich einzubringen! © Cordula Kelle-Dingel
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Für eine wirtschaftlich erfolgreiche Schafhaltung sind vor allem die Marktpreise für Lämmer, die öffentlichen Zahlungen/Förderungen und natürlich die Kosten, insbesondere die Futterkosten, maßgebende Faktoren. Bedingt durch die überdurchschnittlichen Lämmerpreise des letzten Jahres sowie die gekoppelte Tierprämie für Mutterschafe und -ziegen, die seit der GAP 2023 gezahlt wird, haben sich bei moderat gestiegenen Kosten die Einkommen in der Schafhaltung im letzten Jahr stabilisieren und häufig auch verbessern können. Eine erfreuliche Situation, die Mut macht, weiter in die Schafhaltung zu investieren oder sich für diesen Berufszweig zu entscheiden.

Aber bleiben diese Voraussetzungen weiter so bestehen?

Viele Augen schauen in diesem Zusammenhang auf die anstehende GAP-Reform, die ab 2028 die neuen Fördermodalitäten vorgeben wird. Gemäß Vorschlägen der EU-Kommission, Stellungnahmen und Analysen wird sicherlich eine deutliche Kürzung des Gesamtbudgets (ca. 20 bis 30 %) zu erwarten sein. Ebenso ist wohl mit veränderten Förderstrukturen (z. B. Aufgabe der Zweiten Säule und eine größere Bedeutung der nationalen Politik) bei gleichzeitig stärkerer Honorierung von Leistungen für die Umwelt zu rechnen. Konkret werden wahrscheinlich die Flächenprämie/Basiszahlung (eventuell leicht gekürzt), aber auch die so wichtige gekoppelte Prämie (Mutterschafprämie) in ähnlicher Höhe wie bisher erhalten bleiben.

Auch zeichnet sich mit der nächsten GAP ab, dass typische Merkmale der Schafhaltung wie extensive Beweidung, Biodiversitätsleistung und Landschaftspflege zukünftig in ähnlichem Maße wie bisher oder sogar besser bezahlt werden (Klima-/Umweltprämien). Gleichermaßen könnten die Schafhalter von der vorgeschlagenen Ausgestaltung der Agrarumweltprogramme profitieren, die besonders die Beweidung von Schutzflächen und extensivem Grünland honoriert. In Summe werden also nach vorliegenden Einschätzungen die Chancen für die Schafhaltung insgesamt größer sein als mögliche Risiken (eventuell verminderte Basisprämien), sodass die Schafhaltung trotz geringerem Gesamtbudget im Rahmen der GAP 2028 zu den Gewinnern zählen dürfte. Bis zur endgültigen Festlegung der Förderrichtlinien braucht es dazu aber weiter die klare Positionierung der berufsständischen Vertretung, der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL).

Auch bezüglich der Lammfleischpreise ist Zuversicht angebracht, da das historisch hohe Niveau vor allem durch die strukturellen Verhältnisse bedingt ist, die sich kurz- und mittelfristig nicht wesentlich ändern werden. Gemeint sind der vergleichsweise geringe und leicht rückläufige Schafbestand in Deutschland und der EU sowie Probleme in den Exportländern (z. B. Dürre in Australien). Beides führt zu einer Verknappung des Angebots an Lammfleisch und damit zu hohen Preisen. Zugleich sind im letzten Jahr die Transportkosten deutlich gestiegen, was sich angesichts eines Importanteils von ca. 50 % bei Lammfleisch maßgeblich auf den Marktpreis auswirkt. Und hier wirken die Krisenlagen in der Welt noch als zusätzliche Markttreiber. Aus Verbrauchersicht wird somit 2026 kein „billiges Lammjahr“. Das hat zur Folge, dass mit dem Ausweichen auf Geflügel- oder Schweinefleisch noch weniger Lammfleisch in Deutschland verzehrt wird und ggf. Kundschaft verloren gehen könnte. Über 70 bis 80 Euro für eine Lammkeule – das kann und will sich eben nur eine kleine Verbraucherzahl leisten.

Bleibt noch ein Blick auf die Kostenentwicklung in der Schafhaltung. Die gestiegenen Energie- und Transportkosten haben sich im vergangenen Jahr in leicht erhöhten Futter- und Gebäudekosten niedergeschlagen. Derzeit heizt jedoch die aktuelle globale Krisensituation (Stand März/April 2026) die Preise für Produktionsmittel in der Schafhaltung, z. B. für Futtermittel, zusätzlich an. Beeinträchtigend wirken sich in den größeren Schäfereien auch die begrenzte Verfügbarkeit von Fachkräften sowie ein Trend zu steigenden Personalkosten aus, z. B. durch die Anhebung des Mindestlohns. Vielleicht können hier Öffentlichkeitsarbeit sowie Aus- und Weiterbildung allmählich wieder zu mehr qualifizierten Fachkräften führen. Auch bleibt zu hoffen, dass sich die Blauzungenkrankheit durch höhere Impfraten und weitere Schutzmaßnahmen zukünftig weiter eindämmen lässt und die damit verbundene finanzielle Belastung der Betriebe gemindert wird.

Vor dem Hintergrund all dieser Einschätzungen erscheint es für jeden Schafhalter/Schäfer auch ratsam, über mögliche Betriebsoptimierungen bzw. -anpassungen nachzudenken:

  • z.B. mehr eigene Futtermittel einsetzen,
  • Investitionen in arbeitserleichternde Technik,
  • Förderangebote ausnutzen (nicht alle Betriebe beantragen mögliche öffentliche Unterstützungen),
  • Nutzung von Beratungsangeboten.

Letzteres hat mehrfach gezeigt, dass ein umfassender Blick auf den Gesamtbetrieb samt Betriebsanalyse ein erhebliches Potenzial zur Ausschöpfung von Betriebsreserven aufweist.

Insgesamt kann man wohl zuversichtlich auf die zukünftigen Bedingungen für die Schafhaltung schauen, was sich motivierend auf den Nachwuchs in den Schäfereien sowie auf Planung und Investition für die Entwicklung der Schafhaltung auswirken sollte.

Aber: Kein Erfolg fällt vom Himmel. Daher ist es unbedingt angesagt, dass sich die gesamte Branche – angefangen bei jedem Einzelnen bis hin zu den berufsständischen Vertretungen (Landes- und Bundesverbände) – in den laufenden Planungsprozess der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik einbringt. Es ist wichtig, die Positionen einzufordern, denn gerade kleine Branchen müssen auf sich aufmerksam machen, da sonst das Risiko besteht, dass sie übersehen werden!

Haben Sie eine Meinung oder Forderungen an unsere Politik zur GAP-Reform ab 2028? Welche Rahmenbedingungen brauchen wir in Zukunft – insbesondere auch für unsere jungen Betriebsnachfolger? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift, die wir gerne veröffentlichen! Schreiben Sie uns: per E-Mail an fmuth@ulmer.de oder per WhatsApp an 0152/29529776.

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