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Interview mit Jonas Scholz

„Die Bürokratie frisst uns auf!“

Die überbordende Bürokratie und die Sorgen um zu wenig Schäfernachwuchs sind auch in Brandenburg die zentralen Fragen der Zukunft.

von Das Interview mit Jonas Scholz führte Frauke Muth erschienen am 03.03.2026
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Zur Person
Jonas Scholz
Vorsitzender Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg, Tel. 0159/04583176, E-Mail: jonas.scholz@szvbb.de
Was sind aktuell die größten Herausforderungen für die Schäferinnen und Schäfer in Brandenburg? Jonas Scholz: Die Liste ist lang, aber zwei Punkte stechen heraus: 1. Der Nachwuchs fehlt dramatisch. Wir haben einen der ältesten Berufsstände und gleichzeitig kaum junge Menschen, die nachkommen. Das ist ein Alarmsignal und eine Aufgabe an alle Verbände, auch künftig den Berufsstand zu sichern. 2. Die Bürokratie frisst uns auf. Viele Schäfer verbringen inzwischen mehr Zeit mit Formularen als mit ihren Tieren. Egal ob Agrarförderantrag, Präventionsantrag oder Ausschreibungen – die bürokratischen Hürden werden immer höher. Wie steht es um die politische Rückendeckung in Brandenburg? Jonas Scholz: Brandenburg hat sich in den letzten Jahren tatsächlich positiv hervorgetan. Das muss man fairerweise sagen. Die Landespolitik hat verstanden, dass Schäfer unverzichtbar sind – für Naturschutz, Deichsicherheit und Kulturlandschaft.Aber: Die Unterstützung darf nicht nachlassen. Wir spüren, dass Entscheidungen auf Bundes- und EU-Ebene sehr lange dauern. Wenn Brandenburg uns weiter stärken will, braucht es klare ­Kante – und zwar dauerhaft mit einer langfristigen Perspektive. Brandenburg hat einen der höchsten Wolfsbestände deutschlandweit. Wie erleben Sie die Situation? Jonas Scholz: Brandenburg ist eines der am stärksten vom Wolf betroffenen Bundesländer – und das merkt man jeden Tag. Wir sprechen von über 60 Rudeln, dazu Wolfspaaren und Einzelwölfen. Trotzdem sinken die Risszahlen wieder. Das liegt vor allem am flächendeckend praktizierten Herdenschutz. Die aktuelle Rissstatistik des Landesamtes für Umwelt (LfU) zeigt deutlich, dass Herdenschutz funktionieren kann, aber auch keine hundertprozentige Sicherheit bietet. Das Wichtigste ist dabei allerdings die vollumfängliche, unbürokratische und schnelle Bezahlung des Mehraufwandes, um die Akzeptanz in der Region nicht zu verlieren. Zudem müssen Wölfe, die sich nicht an diese Spielregeln halten, schneller als bisher und vor allem rechtssicher entnommen werden. Aus Brandenburg kam die Initialzündung für den Hirtenzug 2026. Was ist geplant? Jonas Scholz: ?Der Hirtenzug 2026 ist ein starkes Signal – und auch in Brandenburg möchten wir das Welthirtenjahr nutzen, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen. Wir werden bei allen Gelegenheiten, sei es die ­Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (BraLa), unsere Kör- und Absatzveranstaltungen oder andere Veranstaltungen, wie den Schaf- oder Deichtag, unsere Botschaft transportieren: Schafe sind ein essenzieller Bestandteil unserer Kulturlandschaft und maßgeblich für den Erfolg von Erhalt und Pflege ebenjener entscheidend. Einer der Höhepunkte wird der Zug Anfang Juni durch Brandenburg und Berlin sein, zu dem wir in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause einen parlamentarischen Abend sowie viele kleinere und größere Veranstaltungen rund um die Strecke planen.
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