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Pax Lupus

Wolfsvergrämung mittels Drohne – Pilotbetriebe gesucht!

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Startup Pax Lupus hat eine mobile Anlage entwickelt, die Wölfe mit Drohnen vertreibt, ohne die Tiere zu schädigen. Nun suchen sie Betriebe, um das System zu testen.

von DBU / Red. erschienen am 22.04.2026
Arbeit unter Schafen: Das Startup Pax Lupus testet aktuell Komponenten eines KI-basierten Herdenschutzsystems direkt auf der Weide. © Pax Lupus GbR
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Jahrelang waren Wölfe in Deutschland ein seltener Anblick. Nach Zahlen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wächst die Population jedoch seit einiger Zeit: von 128 Rudeln im Jahr 2019 auf nun 219 bestätigte Rudel 2025. Ein aktueller Vorfall, bei dem ein Wolf eine Frau in einer Einkaufspassage in Hamburg-Altona gebissen haben soll, sorgt im Frühjahr 2026 für intensive Debatten über den Umgang mit Wölfen. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 125.000 Euro geförderte Startup Pax Lupus aus Wismar hat derweil ein autonomes System entwickelt, das in freier Natur Wolfs- und Herdenschutz zugleich ermöglicht: Eine mobile Anlage vertreibt Wölfe mit Drohnen, ohne die Tiere zu schädigen.

Arten- und Herdenschutz schließen sich nicht aus

Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland sei aus Artenschutzperspektive positiv, benötige jedoch ein funktionierendes Management, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Es komme auf Schutzmechanismen für das Nebeneinander von Wild- und Nutztieren an, „die sich für die Tierhaltung praktisch und wirtschaftlich umsetzen lassen“. Eine zukunftsfähige Land- und Weidewirtschaft müsse Wildtier- und Herdenschutz gleichermaßen im Blick haben.

Ein Ansatz, den das Pax Lupus-Gründungsduo Anna-Karina Katt und Karsten Schmiegel unterstützt. Das Startup entwickelt ein autonomes Herdenschutzsystem zur nicht-tödlichen Abwehr von Wolfsrudeln auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI).

Gründerduo: Gemeinsam wollen Karsten Schmiegel und Anna-Karina Katt mit ihrem Startup Pax Lupus sowohl Herden- als auch Artenschutz in die Praxis umsetzen.
Gründerduo: Gemeinsam wollen Karsten Schmiegel und Anna-Karina Katt mit ihrem Startup Pax Lupus sowohl Herden- als auch Artenschutz in die Praxis umsetzen. © Moritz Jülich/DBU

Zuverlässige Erkennung und Vertreibung von Wölfen

Das Herdenschutzsystem von Pax Lupus soll Schmiegel zufolge autonom und netzunabhängig arbeiten: „In der Mitte der Weide wird das Gerät inklusive Mast mit Kameras und Sensoren aufgestellt.“ Dieses Gerät könne leicht von Weide zu Weide ab- und wieder aufgebaut werden. Die Stromversorgung erfolge per Solarmodul. Der Gründer weiter: „In einem Radius von bis zu 200 m überwachen die Kameras Tag und Nacht die Weide und erkennen, wenn sich ein Wolf nähert. Langfristig soll die Erkennung auch über Bewegungsmuster erfolgen.“

Nähert sich ein Wolf, würden nach und nach unterschiedliche Abwehrstufen aktiviert. „Zunächst steigt aus der Basisstation eine kleine Drohne auf und fliegt den Wolf gezielt an. Sollte er im Außenbereich der Weide verbleiben, fliegt sie erste Abwehrmanöver. Beim Vordringen auf die Weide folgen weitere Abwehrmaßnahmen durch die Drohne, die den Wolf vertreiben“, erklärt Schmiegel. Bei verfügbarer Netzabdeckung würden auch die Schäfer in Echtzeit über die Vorfälle informiert. Der Pax Lupus-Gründer weiter: „Das System soll erkennen, bewerten und reagieren, damit die Schafe sicher sind, die Schäferinnen und Schäfer entlastet werden und ein unnötiger Abschuss der Wölfe vermieden wird.“

Die Herde im Blick: Das an einem Mast befestigte Kamerasystem überwacht in einem Radius von bis zu 200 Metern Tag und Nacht die Weide und erkennt, wenn sich ein Wolf nähert.
Die Herde im Blick: Das an einem Mast befestigte Kamerasystem überwacht in einem Radius von bis zu 200 Metern Tag und Nacht die Weide und erkennt, wenn sich ein Wolf nähert. © Pax Lupus GbR

Zeit- und Geldersparnis für die Schäfer

Nach Katts Worten soll die entwickelte Technik zuverlässig Wölfe von anderen Tieren oder von Menschen unterscheiden. „Weder Alarm noch Drohne werden bei anderen Weidebesuchern ausgelöst“, so die Pax Lupus-Gründerin. Sobald Schäfer alarmiert seien, könnten diese über Kameras die Situation zusätzlich einschätzen und gegebenenfalls das Abwehrmanöver manuell abbrechen. Das Schutzsystem vertreibt die Wölfe laut Katt nicht nur situativ: „Falls ein Rudel zurückkehrt, kann die wiederholte Vergrämung dazu führen, dass die Wölfe die Weidetiere auch langfristig meiden.“

Mit dem Herdenschutz von Pax Lupus sei zudem nur noch ein Grundschutz wie einfache Weidezäune erforderlich, während die eigentliche Schutzwirkung situativ und gezielt bereitgestellt werde. Neben der Schonung von Umwelt und Ressourcen nennt Katt einen aus ihrer Sicht weiteren Bonus des Pax Lupus-Systems: Die schonende Wolfsabwehr, verbunden mit besserem Schutz für Schafe und Schäfer, gewährleiste Sicherheit für die Herden – und damit solide Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit für. Die Folge laut Katt: „Erhalten bleiben durch diese traditionsreiche Weidetierhaltung naturschutzrelevante Offenlandschaften wie Heide, Bergweiden und Deiche. Viele dieser Flächen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.“

Für mehr Sicherheit von Schaf und Schäfern trotz wachsender Wolfspopulation entwickelt Pax Lupus einen Herdenschutz auf Grundlage künstlicher Intelligenz. Das System vertreibt Wölfe langfristig per Drohne, ohne den Tieren zu schaden.
Für mehr Sicherheit von Schaf und Schäfern trotz wachsender Wolfspopulation entwickelt Pax Lupus einen Herdenschutz auf Grundlage künstlicher Intelligenz. Das System vertreibt Wölfe langfristig per Drohne, ohne den Tieren zu schaden. © Pax Lupus GbR
Schafhalter und Interesse am Projekt? Betriebe gesucht!

2026 begannen die Entwickler, einzelne Systemelemente sowie zeitweise den Prototypen auf ausgewählten Flächen zu testen. Die aktuelle Testphase ist zunächst auf Wolfsregionen in Norddeutschland ausgerichtet.

Gesucht werden Betriebe, die grundsätzlich bereit sind, Testaufbauten für einzelne Tage oder Wochen zu ermöglichen. Der laufende Betrieb soll dabei möglichst wenig beeinträchtigt werden. Die Tests erfolgen in enger Abstimmung und ohne dauerhafte Verpflichtung.

Die Entwicklung des Systems erfolgt also gemeinsam mit Weidetierhaltern. Ziel ist ein praxistaugliches System, das unter realen Bedingungen zuverlässig arbeitet.

Nicht aus Norddeutschland, aber interessiert? Kein Problem! Betriebe aus allen Regionen können sich bereits jetzt eintragen und werden informiert, sobald die nächste Testphase startet.

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