Besuch bei Ministerin Otte-Kinast
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Für die Verbände nahmen an diesem Gespräch teil: Jochen Rehse, Landesschafzuchtverband Niedersachsen, Heiko Schmidt, Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems, Carl Wilhelm Kuhlmann, Verband Lüneburger Heidchnuckenzüchter und Dr. Helmut Wilke, Stader Schafzuchtverband. Aus dem Hause des Ministeriums nahmen neben der Ministerin noch Frau Dr. Waßmuth (Tierhaltung, Tierzucht), Frau Dr. Stehr (Tierschutz, Veterinärangelegenheiten) und Axel Munzel (Koordinierung Wolf, Einzelbetriebl.Förderung) teil. Bereits im Vorfeld hatten die Schafzuchtverbände einen Katalog mit wichtigen Themen und Forderungen zum Ministerium gegeben, die an dem Tag diskutiert wurden:
Agrarförderung: Die Vertreter der Schafzuchtverbände kritisierten den Wegfall der Ausgleichszulage, da gerade die niedersächsischen Grünlandregionen in der Vergangenheit von dieser Fördermaßnahme profitiert hätten. Leider soll auch die von Minister Meyer angekündigte Weideprämie in Niedersachsen nicht eingeführt werden. Die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, so dass viele Schäfer für einen Stundenlohn unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns arbeiten. Als Folge ist die Schafhaltung im Bundesgebiet rückläufig und der Selbstversorgungsgrad mit Lammfleisch auf 42 % gesunken. Die Ministerin erklärte, dass das Problem erkannt sei und man auf Bundesebene nach einer geeigneten Fördermaßnahme suche.
Kosten des Herdenschutzes gegen den Wolf: Die Ausbreitung des Wolfes belastet die finanzielle Situation der Schafhaltung zusätzlich. Die seitens des Umweltministeriums gewährten Fördermittel für Präventionsmaßnahmen decken nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten des geforderten Herdenschutzes. Der Ministerin wurde die in 2017 von der KTBL erstellte Studie „Kosten von Herdenschutzmaßnahmen in der Schafhaltung“ überreicht. In dieser Studie werden neben den Anschaffungskosten auch die Arbeitserledigungskosten für das Aufstellen der Schutzzäune oder für die Betreuung der Herdenschutzhunde und weitere Folgekosten berücksichtigt. So zählen z.B. zu den jährlichen Kosten für einen Herdenschutzhund die Kosten für Hundefutter, Tierarzt, Versicherung, Zubehör und für die Bestandsergänzung (Nachkauf, Nachzucht, Ausbildung) und betragen zusammen mehr als 1.400 € je Hund und Jahr. Der Arbeitsaufwand für die Betreuung und Fütterung der Hunde sowie für den Einsatz des Hundes im Herdenschutz hängt stark vom Weidesystem und vom Biotoptyp ab und wurde bei den genannten Folgekosten noch nicht berücksichtigt. Ministerin Otte-Kinast versicherte, dass die Wolfsproblematik auch im Landwirtschaftsministerium angekommen sei und sprach sich deutlich für die Weidetierhaltung aus. Die Schafhaltung gehöre zum Landschaftsbild und sei gerade auch bei der Deichpflege, Landschaftspflege und Pflege von extensiven Standorten alternativlos. Sie wies darauf hin, dass dies auch bei der Gestaltung des Beitrags „Schafhaltung in Niedersachsen“ auf der überarbeiteten Homepage des Landwirtschaftsministeriums zum Ausdruck gebracht worden sei.
Unterstützung der Schaf- und Ziegenzuchtverbände bei der Zuchtarbeit und Betreuung der Halter: Die Vorsitzenden wiesen darauf hin, dass in Niedersachsen etwa 80 % der herdbuchmäßig betreuten Zuchtschafe und 50 % der Zuchtziegen Rassen angehören, die zu den gefährdeten Nutztierrassen zählen. Die Ministerin versprach, die Zuchtarbeit der Verbände auch weiterhin zu unterstützen. Dazu zählt die Förderung der Leistungsprüfung im Feld und die Förderung für das Anlegen und Führen von Zuchtbüchern für vom Aussterben bedrohte Rassen. Die Betreuung der Schaf- und Ziegenzuchtverbände durch Mitarbeiter der LWK und die Beratung der Betriebe in Fragen der Zucht, Haltung und Fütterung seien gegenüber der LWK als Aufgaben mit besonderem Landesinteresse erklärt worden, die auch zukünftig vom Land Niedersachsen finanziert werden. Die Vertreter der Schafzuchtverbände vereinbarten mit der Ministerin, dass der Austausch fortgesetzt und das nächste Gespräch vor Ort in einer Schäferei stattfinden solle.
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