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Mecklenburg-Vorpommern

Preis für Beweidungsprojekt in der Altwarper Binnendüne

Wenn sich im beschaulichen Küstenort Altwarp am Stettiner Haff Dr. Till Backhaus, Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), und Paul Johannes Fietz, Vorstandsmitglied der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), ein Stelldichein auf einer Düne geben, muss dies schon einen besonderen Grund haben. Nach rund 50 Jahren ohne Schafe auf der Altwarper Binnendüne gibt es am Standort wieder einen Schäfer. Hierfür erhielten die drei Projektpartner - das DBU Naturerbe als Flächeneigentümerin, der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz für die Steuerung vor Ort und der Landwirtschaftsbetrieb Tierproduktion Haffküste als landschaftspflegender Tierhalter - am 2. Mai 2018 den Preis der UN-Dekade biologische Vielfalt.
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Nach rund 50 Jahren ohne Schafe auf der Altwarper Binnendüne gibt es am Standort wieder einen Schäfer. Eine gemeinsame Leistung, für die die drei Projektpartner mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurden (V.l.): Alexander Bonde, DBU, Landesumweltminister Dr. Till Backhaus, Paul Johannes Fietz, BImA, Rita Hoffmann und Philipp von Schöning, Biobetrieb Tierproduktion Haffküste.
Nach rund 50 Jahren ohne Schafe auf der Altwarper Binnendüne gibt es am Standort wieder einen Schäfer. Eine gemeinsame Leistung, für die die drei Projektpartner mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurden (V.l.): Alexander Bonde, DBU, Landesumweltminister Dr. Till Backhaus, Paul Johannes Fietz, BImA, Rita Hoffmann und Philipp von Schöning, Biobetrieb Tierproduktion Haffküste.DBU Naturerbe
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Im Grußwort durch DBU-Generalsekretär Alexander Bonde wurde klar – diese Leistung war nur gemeinsam zu stemmen. Eine extensive Beweidung der Düne wurde schon seit Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet im Jahr 1990 angestrebt. So sollten die wertvollen offenen Dünenbereiche mit ihrem lockeren Bewuchs erhalten werden. Aber alle Bemühungen scheiterten; die Düne wuchs stetig weiter zu und mit den offenen Sandflächen zogen sich viele bedrohte Arten zurück.

Rauwoller snd die neuen Dünenschafe

„Als die Fläche im Rahmen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert wurde und ins Eigentum der DBU Tochtergesellschaft überging, haben wir das Thema aufgegriffen“, so Prof. Dr. Werner Wahmhoff, fachlicher Leiter des DBU Naturerbes. „Der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz plante für uns im Jahr 2016 die extensive Beweidung mit Schafen.“ Bis zur Umsetzung war es noch ein beschwerlicher Weg, denn in der Umgebung gab es keinen Betrieb mit Schafhaltung mehr. Es war ein großes Glück, dass der Biobetrieb Tierproduktion Haffküste mit Herden-Managerin Rita Hoffmann für das Projekt gewonnen werden konnte, sind sich Susanne Belting und Arne Truckenbrodt vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz einig. Rita Hoffmann ist gebürtige Altwarperin und kennt den alten Dünenschäfer noch aus Kindertagen. Sie schaffte 2017 eine Herde „Rauwollige Pommersche Landschafe“ an, und die Beweidung mit der alten, in der Region beheimateten Haustierrasse begann.

Herausforderung Wolf

Eine Herausforderung stellte der Umgang mit dem Wolf dar, der das Gebiet durchstreift. Nach intensiver Beratung schützt die Herde am Tage ein Gitter-Elektrozaun. Die Nacht verbringen die Tiere in einem umgebauten Transportwagen, genannt „Sch(l)afwagen“. Der sichere Nachtpferch erhöht dabei auch den angestrebten Nährstoffentzug, da der im Wagen anfallende Mist nicht auf die Flächen zurückgeführt wird. Mittlerweile ziert den Sch(l)afwagen ein Portrait des letzten Altwarper Schäfermeisters, Fritze Krüger. Dieser hatte am Standort bis um 1970 „Pommern-Schafe“ gehütet; zum Projektstart in 2017 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Gegen den Trend

Der Bundesforst ist ein Geschäftsbereich der BImA. Deren Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz erläuterte, wie sich die Region mit dem Projekt gleich mehrfach gegen den Trend stemmt. „Der traurige Normalfall ist, dass schafhaltende Betriebe aufgeben müssen, weil sie keine wirtschaftliche Perspektive haben. Hier dagegen beginnt ein Betrieb mit der Schafhaltung. Alte Rassen, auch das Rauwollige Pommersche Landschaf, stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Hier dagegen gibt es eine neue Herde“, stellte Paul Johannes Fietz klar.

Weitere Beweidungsstandort geplant

Besonders erfreulich für alle Beteiligten ist, dass die Binnendüne „nur“ den ersten Schritt im Projekt darstellt: Gemäß Naturerbe-Entwicklungsplanung für die Ueckermünder Heide sollen weitere Magerstandorte mit Schafen extensiv beweidet werden. Ersteinrichtende Maßnahmen auf den betreffenden Flächen sind bereits erfolgt. Die Lämmer von der Düne dienen nun dem weiteren Herdenaufbau. Ab 2019 soll der Dünenschäfer weiterziehen – auf die nächste Projektfläche.

Die Preisverleihung

Till Backhaus verlieh den UN-Dekadepreis für das Projekt „Der Dünenschäfer kehrt zurück“. Als Ehrengast der Veranstaltung war natürlich auch die Familie des letzten Altwarper Schäfermeisters geladen. Nur die Schafe ließ der Rummel auf der Fläche augenscheinlich unbeeindruckt. Während der Ehrung machten sie einfach ihren Job.
 

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