Brüssel bringt elektronische Rinderkennzeichnung auf den Weg
Nach den Schafen und Ziegen
will die Europäische
Kommission die elektronische
Einzeltierkennzeichnung
jetzt auch bei Rindern
voranbringen. Im Gegensatz
zu den kleinen Wiederkäuern
soll die Maßnahme freiwillig
bleiben – zumindest
von Seiten der EU.
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Die Mitgliedstaaten erhalten
jedoch das Recht, die Verwendung
des Mikrochips auf nationaler
Ebene verpflichtend zu
machen, falls sie dies wünschen.
Einen entsprechenden
Vorschlag legte die EU-Kommission
jetzt vor. Ziel ist eine
weitere Verbesserung der Lebensmittelsicherheit
und der
Tiergesundheit durch eine genauere
Rückverfolgbarkeit von
Tieren und Produkten. Künftig
sollen Rinder entweder nach
den bestehenden Vorschriften
mit zwei herkömmlichen Ohrmarken
oder alternativ mit einer
konventionellen Ohrmarke
und einem von der EU zugelassenen
elektronischen Mikrochip
ausgestattet werden. Der
Chip kann wahlweise mit einer
weiteren Ohrmarke angebracht,
als Bolus verschluckt oder unter
die Haut injiziert werden.
Schnelligkeit versus Kosten
Brüssel sieht durch die geplante
Regelung nicht nur Vorteile
hinsichtlich des Verbraucherschutzes,
sondern auch
für Landwirte, Fleischverarbeitungsbetriebe
und Tierhändler
– insbesondere durch die Verringerung
der Papierarbeit und
der Bearbeitungszeit zugunsten
einer schnellen elektronischen
Erfassung.
Allerdings räumt die Behörde
ein, dass durch die Einführung
einer elektronischen
Kennzeichnung zusätzliche
Kosten entstehen, wodurch
beispielsweise Kleinerzeuger
benachteiligt werden können.
Insbesondere deshalb soll die
Anwendung zumindest auf europäischer
Ebene vorerst freiwillig
bleiben.
Im Gegensatz zu Rindern
müssen Schafe und Ziegen bereits
seit Anfang 2010 verpflichtend
mit Mikrochips ausgestattet
sein, was im Berufsstand
zu massiven Widerständen
geführt hat. Daneben
schlägt die Kommission vor,
die Pflicht zur Genehmigung
freiwilliger Elemente der Rindfleischkennzeichnung
durch
nationale Behörden zu streichen.
Das war unter anderem
von der Stoiber-Gruppe für Bürokratieabbau
gefordert worden.
Auf EU-Ebene sind bekanntlich
die Herkunftsangabe
hinsichtlich Geburt, Mast und
Schlachtung obligatorisch.
Laut EU-Kommission werden
Rinder bereits in mehreren
Mitgliedstaaten zu privaten
Betriebsführungszwecken
elektronisch erfasst.
Als Beispiele für Länder mit
weiter Verbreitung werden Dänemark
und die Niederlande
genannt.
Handlungsbedarf sieht die
Kommission deshalb, weil sie
einen Wildwuchs unterschiedlicher,
nicht kompatibler Systeme
befürchtet. Durch das
Setzen eines EU-Rahmens sollen
einheitliche Vorgaben gefördert
werden. Beim Deutschen Bauernverband
(DBV) hält man das
derzeitige Kennzeichnungssystem
für völlig ausreichend
und den Vorstoß für unverständlich.
Befürchtet werden
zusätzliche Kosten. Zwar gibt
es auch in Deutschland einzelne
Zuchtverbände, die bereits
heute eine elektronische
Kennzeichnung nutzen. Laut
Einschätzung des DBV lohnt
sich dies für die breite Masse
der Rinderhalter aber nicht,
da manche Hersteller den
Züchtern ihre Technik zu
Marketingzwecken besonders
günstig anbieten. Im Bundeslandwirtschaftsministerium
wird das Papier geprüft; zu
einer Stellungnahme konnte
sich das Agrarressort nicht
durchringen.
Immer weniger Schafe
In Niedersachsen geht die
Zahl der Schafhalter deutlich
zurück. Wie das Landvolk
Niedersachsen mitteilte,
trennten sich im vergangenen
Jahr fast ein Fünftel aller
Landwirte von ihren Tieren.
Als Grund für den Rückgang
sieht der Vorsitzender des
Verbandes Deutscher Schafhalter
(VDL), Carl Lauenstein,
vor allem die von der Europäischen
Union vorgeschriebene
elektronische Einzeltierkennzeichnung.
„Sie wird als überflüssige
bürokratische Schikane
empfunden“, betonte Lauenstein,
„Sie ist zudem ungerecht,
weil sie nur für Schafe
und Ziegen gilt und nicht
auch für Rinder und Schweine!“
Die deutschen Schäfer gehen
juristisch gegen die Kennzeichnungspflicht
vor und
bekommen mittlerweile große
Unterstützung aus vielen
weiteren EU-Mitgliedstaaten.
„Unsere Schäfer kennen ihre
Tiere. Für die von der EU
angestrebte Rückverfolgbarkeit
würde daher eine Betriebskennzeichnung,
wie sie
von den Schweinehaltern
praktiziert wird, ausreichen“,
hob der VDL-Vorsitzende hervor.
AgE
AgE
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